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Wer verteidigt die Schafe vor den Wölfen?

von Gabriele Kuby ©


4. Februar 2011 auf www.kath.net mit 65 ausschließlich positiven Leserzuschriften


Die 143 Theologen, welche das Memorandum „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“ verfasst haben, hätten es kürzer sagen können: Schafft den Papst und das Lehramt ab, und wenn das in der Weltkirche nicht geht, dann wenigstens in Deutschland. Sie kochen ihre Suppe auf den sexuellen Sünden einer kleinen Minderheit der katholischen Priester, die in den letzten vierzig Jahren ihre homosexuellen Neigungen an ihnen anvertrauten Jungen ausgelebt haben. Haben sich die Unterzeichner jemals zum alltäglichen, millionenfachen Missbrauch von Kindern in unserer Gesellschaft zu Wort gemeldet? Die Forderungen jener, die meinen „nicht länger schweigen“ zu dürfen, zielen auf eine Zerschlagung der Identität der katholischen Kirche.

Die Kräfte von unten haben nie geschwiegen, sondern brüllen in den Medien und treiben seit Jahrzehnten Generationen von Theologiestudenten und Priesteranwärtern und Religionspädagogen den Glauben aus. Die mangelnde Glaubenspraxis, als da sind Heilige Messe, Anbetung, Beichte, Gebet und Verankerung im Wort Gottes, ist der Kern der Kirchenkrise. Wo dies geschieht in Gemeinden und in Klöstern und geistlichen Gemeinschaften, gibt es keine Krise, sondern Berufungen und Bekehrungen und frohes Bekenntnis zur Frohen Botschaft. Für sie ist der Heilige Vater Leuchtturm der Orientierung - ein „Zeichen, dem widersprochen wird“. (Lk 2,34)   

Die Damen und Herren Theologen operieren mit den Begriffen Freiheit und Befreiung, um die hierarchische Struktur der Kirche aufzulösen. Aber der Heilige Geist kommt von oben, nicht von unten. Freiheit scheint für sie gleichbedeutend zu sein mit Mehrheitsentscheidungen des Kirchenvolkes. Es ist ein manipulativer Gebrauch des Begriffes, dessen intellektuelle Unredlichkeit vom Zeitgeist gedeckt wird. Die einzigartige Gabe der Willensfreiheit muss der Mensch mit Verantwortung für die Folgen seiner Entscheidung ausüben. Dazu muss er Gut und Böse unterscheiden können. Freiheit ist also an die Erkenntnis der Wahrheit gebunden. Deswegen sagt Jesus, der die Wahrheit ist:  „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen…Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei“. (Joh 8,32-36)

Die Freiheit, die die 143 Theologen anbieten, ist „Befreiung“ von der Wahrheit. Einmal wieder wird den Menschen der breite Weg, der ins Verderben führt, schmackhaft gemacht, und wenn er noch so offensichtlich den Geboten Gottes widerspricht, die jene halten, die ihn lieben. (Joh 14,15)

Sie fordern, die „Doppelmoral“ in der Kirche zu beseitigen. Wie? Indem die Kirche ihren „selbstgerechten moralischen Rigorismus“ aufgibt, das eheliche Treuegebot Jesu aufhebt, die gleichgeschlechtliche Partnerschaft gutheißt, Priester und Priesterinnen (gleichgeschlechtlich) heiraten lässt und die Leitung der Gemeinde aus Mitleid mit den überlasteten Priestern Laien übergibt. Das nennen die Verfasser dann „wie Petrus übers Wasser gehen“. In Wahrheit geht es darum, den Leib Christi, der die Kirche ist, erneut zu kreuzigen.

Wer von den Hirten wird die Gläubigen vor den Wölfen verteidigen? Der Sekretär der Bischofskonferenz jedenfalls nicht. Er sieht in dem Memorandum ein „gutes Signal, dass sich auch die Unterzeichner am Gespräch über Zukunft und Glauben und Kirche in Deutschland beteiligen wollen“. Wir brauchen Hirten, die zum Felsen stehen, auf den Christus seine Kirche gebaut hat.

 

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