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Abdruck nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin


Gender Mainstreaming – Die (un)heimliche Revolution

©Gabriele Kuby
Erstveröffentlichung: VATICAN magazin, Heft 11, November 2008

 „Weh denen, die das Böse  gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen.“ (Jes 5,20)

Weltfrauenkonferenz  in Peking 1995
Kulturrevolution
Einige Beispiele aus jüngster Zeit
Wie konnte es dazu kommen?
Wurzel des Gender Mainstreaming
Totalitarismus im neuen Gewand
Widerstand
Die Opfer der Gender-Ideologie

Ein Gespenst geht um in der Welt, und dieses Gespenst heißt „Gender“. Kaum jemand kennt seinen Namen, obwohl es überaus mächtig ist und sein Gespinst über alles geworfen hat, was von den internationalen und staatlichen Institutionen beeinflusst wird. Dieses Gespenst ist im Begriff, einen neuen Menschen zu schaffen, zu dessen Freiheit es gehören soll, sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung zu wählen, das heißt, willkürlich zu entscheiden, ob er oder sie Mann oder Frau sein will, heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell oder transsexuell (GLBT).  Diese Auffassung von Freiheit und Sexualität soll nach dem Willen der UN, der EU und der Deutschen Bundesregierung den Kindern von der Kinderkrippe an eingeprägt werden.

Gender Mainstreaming ist seit 1999 „Leitprinzip und Querschnittaufgabe“ der deutschen Politik. Auf der Homepage des Wissenschaftsministeriums heißt es:  „Die deutsche Bundesregierung hat Gleichstellungspolitik mittels der politischen Strategie des Gender Mainstreaming als durchgängiges Leitprinzip und Querschnittsaufgabe festgelegt. Damit reiht sich die Bundesregierung in die weltweiten Aktivitäten zur wirkungsvolleren Durchsetzung von Gleichstellungspolitik ein.“

Die Fassade dieser neuen Ideologie heißt „Gleichstellung“  von Männern und Frauen. Mehr Gleichheit führe angeblich zu mehr Gerechtigkeit. Nie wird die Frage gestellt, ob mehr Gleichheit zwischen dem, was nicht gleich ist, einen Beitrag zur Lösung der gewaltigen Zukunftsaufgaben leisten kann. Hinter der Fassade verbirgt sich der Generalangriff auf die moralischen Normen, denen wir die abendländische Kultur verdanken. Ohne sie kann weder die Familie noch das Christentum bestehen.

Gender war bis in die siebziger Jahre ein grammatikalischer Begriff zur Unterscheidung des Genus eines Wortes. Er wurde von den Radikalfeministinnen in Personalunion mit den internationalen Homo- und Lesbenorganisationen  in Beschlag genommen, um die Auffassung zu transportieren, das „soziale Geschlecht“ sei unabhängig vom biologischen Geschlecht. Es gebe nicht zwei Geschlechter, sondern sechs oder mehr, je nach sexueller Präferenz. Gender soll zum Mainstream werden, zum nicht hinterfragten Zeitgeist.

Die „Gender-Perspektive“ erkennt keinerlei wesenhafte oder angeborene Unterschiede zwischen Mann und Frau an, obwohl jede einzelne Körperzelle männlich oder weiblich ist. Sie ignorieret und unterdrückt die Forschungsergebnisse der Hirnforschung, Medizin, Psychologie und Soziologie, welche die unterschiedliche Identität von Mann und Frau in der Gehirnstruktur, im Hormonhaushalt, in der psychologischen Struktur und im sozialen Verhalten nachweisen.

Weltfrauenkonferenz  in Peking 1995

Den Durchbruch der „Gender-Perspektive“ erkämpften die feministisch/lesbischen NGOs  auf der Weltfrauenkonferenz  in Peking 1995. Sie wussten, dass gesellschaftliche Veränderung nicht ohne Veränderung der Sprache zu erreichen ist. Mit staunenswerter strategischer Weitsicht gelang es ihnen, das Wort sex, welches für die Zweigeschlechtlichkeit steht, in den amtlichen Dokumenten durch den Begriff gender zu ersetzen. 

Dagegen versuchte die „Familienkoalition“ vergeblich, Widerstand zu leisten. Sie protestierte gegen das Abschlussdokument: „Die Pekinger Aktionsplattform  ist ein direkter Angriff auf die Werte, Kulturen, Traditionen und religiösen Überzeugungen der großen Mehrheit der Weltbevölkerung sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen… Das Dokument zeigt keinerlei Respekt für die Würde des Menschen, versucht, die Familie zu zerstören, ignoriert die Ehe, wertet die Bedeutung der Mutterschaft ab, fördert abweichende sexuelle Praktiken, sexuelle Promiskuität und Sex für Jugendliche.“

Die Pekinger Aktionsplattform wurde sukzessive in verbindliches Recht umgesetzt.   Durch den Vertrag von Amsterdam (1999) und die EU-Grundrechtscharta von Nizza (2000) wurde Gender Mainstreaming zur  verbindlichen Vorgabe, ausgestattet mit riesigen Finanzmitteln.

Dass die Abtreibung eine globale Agenda des Gender Mainstreaming ist, folgt mit Notwendigkeit. Unbeeindruckt vom demographischen Epochenwandel beschloss die Parlamentarische Versammlung des Europarates am 16. April 2008, dass es in den 47 Mitgliedsstaaten de jure und de facto ein Recht auf Abtreibung geben solle.

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Kulturrevolution

An deutschen Universitäten gibt es bislang 29 Institute für Gender-Studies, ein boomender Markt mit beträchtlichem Stellenwachstum. Gender-Forschung ist an geisteswissenschaftlichen Lehrstühlen fest etabliert und expandiert über Fachgrenzen. Ziel ist die Abschaffung der „heteronormativ und patriarchal geprägten“ Lehrinhalte.  Jeder Student kann bestätigen, dass die Aneignung der „Gender-Perspektive“ prüfungs- und karriererelevant geworden ist. Zusätzlich zu den akademischen Instituten gibt es unzählige vom Staat oder der EU finanzierte Beratungsinstitutionen, die im Begriff sind, Organisationen aller Art zu „gendern“.

Politische Schaltzentrale ist das Bundesfamilienministerium mit der „Interministeriellen Arbeitsgruppe für Gender Mainstreaming“ und dem vom Ministerium finanzierten „GenderKompetenzZentrum“ an der Humboldt Universität.

Da die Einstellungen Erwachsener zu Formen der Sexualität, welche bis vor Kurzem juristisch und sozial sanktioniert waren, nicht leicht zu verändern sind, richtet sich die ganze Wucht dieser kulturellen Revolution auf die nächste Generation, auf die Kinder und Jugendlichen.

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Einige Beispiele aus jüngster Zeit:

In Brasilien wurde 2008 „Sexual diversity“ offiziell als Schulfach in den öffentlichen Schulen für die Klassen eins bis neun eingeführt. Der sozialistische Präsident Luiz Lula da Silva nennt „Homophobie“ „die perverseste Krankheit, die den menschlichen Geist je befallen hat“.  

In Wien betreibt die Kinderbetreuungs GmbH Fun & Care bei Kleinkindern „geschlechtssensible Pädagogik“  und erzieht sie zu einem „geschlechtergerechten Sprachgebrauch“. Buben bekommen einen Kosmetikkorb und Prinzessinnenkleider, während Mädchen dazu  angehalten werden, sich mit Schreien und körperlicher Gewalt gegen Buben durchzusetzen.
In Berlin fördert Dissens e.V. seit 1989 die „Geschlechterdemokratie“, insbesondere durch die zielgerichtete Zerstörung männlicher Identität bei Jungen.

In einem bayerischen Kindergarten klärte ein promovierter Vertreter der Caritas nach sexuellen Übergriffen von Kindern an Kindern besorgte Eltern darüber auf, dass Kinder ein Recht auf Sexualität hätten und Masturbation, Doktorspiele und Ausprobieren des Geschlechtsverkehrs normal seien und zugelassen werden sollten. 

Die dem Familienministerium unterstehende Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verschickte 650 000 Mal „Ratgeber für Eltern zur kindlich Sexualerziehung“, in denen die Eltern zur sexuellen Stimulation ihrer Kleinkinder aufgefordert wurden. Die Familienministerin musste die Broschüren im Juli 2007 zurückziehen, nachdem durch Veröffentlichungen der Autorin medialer Druck entstanden war. 

Das ist kein Grund zur Beruhigung: In allen Sexualaufklärungsschriften der BZgA werden die Kinder mit Wort und Bild zur Frühsexualität verführt und Homosexualität durchweg als gleichwertige Alternative zur Heterosexualität positiv dargestellt.

Es drängt sich die Frage auf: Wie ist es möglich, dass eine neue Ideologie Fuß fasst, die doch von jedem Menschen durchschaut werden kann? Wir wissen, dass wir entweder als Mann oder als Frau in der Welt existieren, und empfinden das andere Geschlecht als wesenhaft anders und deswegen anziehend. Liebe ist der einzige Schlüssel zum fremden Land des anderen Geschlechts.

Nun heißt es: Alles nur konstruiert, um die Frau zu unterdrücken. Frauen werdet Männer! Männer werdet Frauen! Oder irgendetwas dazwischen, mal so, mal so. Das ist euer Freiheitsrecht. Ihr seid, als was ihr euch fühlt, und wenn ihr euch unwohl fühlt, dann zieht die Kleider des anderen Geschlechts an oder lasst euch den Penis wegoperieren und Plastikbrüste unter die Haut pflanzen – oder umgekehrt – es ist euer Menschenrecht. 

Wie ist es möglich, dass homosexuelles Verhalten, das von allen Religionen abgelehnt wird und bis vor wenigen Jahrzehnten in westlichen Gesellschaften strafbar war, den Kindern in der Schule schmackhaft gemacht wird? Gibt es Eltern, die sich freuen, wenn ihre Kinder homosexuell sind? Welchen Beitrag leistet Homosexualität für das Allgemeinwohl und die Zukunft, insbesondere in Zeiten des demographischen Epochenwandels?

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Wie konnte es dazu kommen?

Der Angriff auf die Geschlechtsidentität von Mann und Frau hat einen philosophischen Hintergrund: den Relativismus. Nach Ansicht der Relativistin, gibt es keine Wahrheit, weil die Wirklichkeit erst durch die subjektive Wahrnehmung entstehe. Naturrecht und Metaphysik meinen heutige Philosophen auf den Schrotthaufen der  Geschichte werfen zu können. Stattdessen gilt nur noch „das menschliche Streben nach Glück, Lust oder Liebe. Ihr Credo heißt: „Die Lust ist gut“,  nachzulesen im Kolleg Praktische Philosophie des Reclam Verlages. 

Wenn es keine Möglichkeit gibt, Wahrheit zu erkennen und daraus ein Urteil über gut und böse abzuleiten, dann ist die in Mode gekommene Beschwörung von Werten leer. Wer von Werten redet, will damit sagen, er strebe nach dem Guten, und unter-stellt, es bestünde ein Konsens über das, was gut sei. Das ist aber nicht der Fall, weil es keinen Konsens  über das Wesen des Menschen mehr gibt. Mit Hilfe welcher Werte werden Werte ausgewählt, die Geltung haben sollen? Wenn die Ableitung von absoluten Werten aus der Erkenntnis der Vernunft, dem Naturrecht oder aus göttlicher Offenbarung als verwerflich gilt, dann kann das, was in einer Gesellschaft gilt, nur durch Macht durchgesetzt werden.  Der Relativismus muss also mit Notwendigkeit zur Wertediktatur führen.

In der Predigt zur Eröffnung des Konklaves am 18. April 2005 sagte Kardinal Ratzinger: „Es bildet sich eine Diktatur des Relativismus heraus, in der nichts als endgültig anerkannt wird und die als letzten Maßstab nur das eigene Ich und dessen Wünsche zulässt.“

Für den Christen hat die Wahrheit ein Gesicht und einen Namen: Jesus Christus. Er sagt nicht: Lebt nach meinen Werten, sondern: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 14,15)   
 
Mit der Negierung der Möglichkeit, Wahrheit zu erkennen und daraus einen Maß-stab für gut und böse abzuleiten, ist den Ideologien Tür und Tor geöffnet. Sie haben eine entsetzliche Blutspur durch das letzte Jahrhundert gezogen. Die Leugnung Gottes und die blutige Verfolgung jener, die an Gott glauben, sind ihnen gemeinsam. Haben sie die Menschen nicht mit Verheißungen von Gleichheit und Gerechtigkeit verblendet und verführt?

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Wurzel des Gender Mainstreaming

Die Wurzel des Gender Mainstreaming steckt in marxistischem Boden. Marx und Engels formulierten die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft, welche die Gleichheit aller Menschen anstrebt. Der  neue Totalitarismus agiert mit dem alten sozialistischen Köder der „Gleichheit“, an den die Menschen anbeißen, weil seit Kain der Neid in ihren Adern fließt. Und doch wissen wir, wir sind verschieden. Uniformität zerstört das Humanum, dessen Wesenskern die Einzigartigkeit ist.

Das Programm, das heute mit Gender Mainstreaming wiederum alles daran setzt,  einen „neuen Menschen“ zu schaffen, und zwar auf einer tieferen Ebene als je zuvor, hat schon Friedrich Engels formuliert: „Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche.“
 
Um den angeblichen Klassengegensatz zwischen Mann und Frau abzuschaffen, muss die Familie zerstört werden. Die einflussreichste Feministin des letzten Jahrhunderts, Simone de Beauvoir, rief die Frau auf, „der Sklaverei der Mutterschaft“ zu entfliehen“. Mit ihrem berühmten Satz, „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“, läutete sie die Gender-Revolution ein. 

Die geistigen Väter der Studentenrebellion von 1968, Adorno, Horkheimer, Marcuse, Wilhelm Reich, flankierten diesen Schlachtruf mit der theoretischen Demontage der „autoritären Familie“ und der Legitimation und praktischen Agitation für die Auflösung der jüdisch-christlichen Sexualmoral im Dienste einer sogenannten „sexuellen Befreiung“.

Mit Gender Mainstreaming wird die Schraube nun ins Absurde gedreht. Chefideologin Judith Butler, Professorin die an der University of California und an der Europäischen Universität für Interdisziplinäre Studien in der Schweiz, gehört zur Führungsspitze der International Gay and Lesbian Human Rights Commission. Sie erklärt das „biologische Geschlecht“ zu einem „normativen Phantasma“, das durch das „Regime der heterosexuellen Hegemonie“ aufgezwungen werde. 

Ist erst einmal die biologische Geschlechtsidentität von Mann und Frau dekon-struiert, so steht der Dekonstruktion der sozialen Rollen und Institutionen nichts mehr im Wege. Weil kein Bereich der Gesellschaft von den Einflüssen der bipolaren Geschlechtlichkeit frei ist, sind alle Bereiche des sozialen Lebens Zielscheibe der  Dekonstruktion: Ehe, Familie, Vaterschaft, Mutterschaft, Erziehung, Sprache, Arbeit, Kultur, Religion. Das nennt sich „undoing gender“. Die Absolventen der Universitätsinstitute für Gender-Studies haben viel zu tun und sie tun viel.

Am 3. September 2008 fasste das Europäische Parlament mit 504 gegen 110 Stimmen eine „Entschließung zu den Auswirkungen von Marketing und Werbung auf die Gleichstellung von Frauen und Männern“ (A6-0199/2008). Das EU-Parlament will per Gesetz sogenannte „geschlechtssterotype Bilder“ aus der Werbung, aus Lehrbüchern, Video- und Computerspielen, dem Internet verbannen, „beginnend in den ersten Jahren der Sozialisierung von Kindern“ – also keine Frau am Herd, sondern ein Mann, kein Mann am Steuer, sondern eine Frau. Erst wurde die Sprache verändert, jetzt die Bilder. 

Das EU-Parlament fühlt sich berechtigt, den innersten Kern der Kultur zu knacken, nämlich die unterschiedliche Identität von Mann und Frau. Hier sind Bilderstürmer am Werk. Was bleibt von Kunst und Kultur übrig, wenn man das Drama der Anziehung der Geschlechter eliminiert? Wer daran festhält, dass die Geschlechtspolarität von der Natur vorgegeben ist, oder gar daran glaubt, dass der Mensch von Gott als Mann und Frau geschaffen sind, gilt als christlicher Fundamentalist, der auszuspeien ist.

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments hätten mit gleichem strategischen Durchsetzungswillen beschließen können, unsere Kultur vom Giftmüll pornographischer und gewalttätiger Bilder zu reinigen. Sie sind schlimmer als der Müll in Neapel.  35 % aller Downloads sind Pornographie, Porno-Umsatz weltweit pro Jahr 57 Milliarden Dollar.   Das ist der Sumpf, auf dem die Gender-Ideologie ihre Blüten treibt. Das ist der Grund, warum es fast keinen Widerstand gibt.

Warum merken die Frauen nicht,  dass ihnen  gnadenlos die Freiheit genommen wird, in dieser Gesellschaft noch Frau und Mutter zu sein? Warum begreifen die Männer nicht, dass hier der Geschlechterkampf tobt, der sie entmachten will und dabei schon erhebliche Erfolge aufzuweisen hat, etwa die handfeste Diskriminierung von Jungen im Bildungssystem? (s. Spiegel online 25.08.08)

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Totalitarismus im neuen Gewand

Ideologie –  damit meine ich unwahres Denken im Dienst der Interessen einer Minderheit, welches diese Interessen gleichzeitig verschleiert – zerstört gesunde soziale Strukturen und führt in den Totalitarismus.

Während die Christen allmählich aus dem Traum immerwährenden Wohlstands, Demokratie und religiöser Freiheit erwachen, hat der Feind längst vorgebaut. Durch falsche Etiketten wie Toleranz, Freiheit und Antidiskriminierung wird Akzeptanz erreicht. Durch raffinierte Sprachmanipulationen wird Widersand sozial geächtet und gesetzlich kriminalisiert, bevor er überhaupt ernsthaft auf den Plan getreten ist.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Altbundespräsident Roman Herzog warnte  am 8. September 2008 in der FAZ vor der Aushöhlung nationaler Souveränität und demokratischer Legitimität, weil die Entscheidungen des EuGH automatisch nationales Recht außer Kraft setzen. Der EuGH ist ein Machtzentrum der Gender-Agenda.

Auf  Widerstand gegen die Homosexualisierung der Gesellschaft steht Verleumdung, Einflusslosigkeit, berufliche Ausgrenzung. Der Sturz des designierten Innenkommissars der EU, Rocco Buttiglione, im Jahr 2004 war der spektakulärste Fall. Meinungsfreiheit existiert nicht mehr.

Ein neues Schimpfwort wird zu einem juristischen Tatbestand, um den Widerstand zu kriminalisieren: Homophobie. Eine Phobie ist ein krankhafter Angstzustand. Wer also für krank erklärt wird, sind jene, die daran festhalten, dass die Sexualität dann dem Wohl des Einzelnen, der Familie und der Gesellschaft dient, wenn sie Ausdruck der ehelichen Liebesvereinigung von Mann und Frau und offen für die Fortpflanzung ist.

Um „Homophobie“  zu kriminalisieren, wird sie in den Dokumenten der EU in einem Atemzug genannt mit Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass. Dazu dienen die Antidiskriminierungsgesetzte und die „hate laws“, die in einigen Ländern bereits existieren und um deren Durchsetzung weltweit gekämpft wird. Jede Äußerung gegen Homosexualität, und seien es Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung oder biblische Zitate, wird als Haß interpretiert. Mit dieser Lüge wird die emotionale Voraussetzung geschaffen, um den Widerstand gegen die Homosexualisierung zu kriminalisieren.

Die EU hat in der Entschließung B6-0025/2006 vom 18. Januar 2006 angekündigt, dass sie Homophobie „ausmerzen“ will durch „erzieherische Maßnahmen, wie Informationskampagnen in Schulen, Universitäten und den Medien, und über Rechts- und Verwaltungsvorschriften“. „Von Homophobie geprägte Hassreden und Anstiftung zu Diskriminierung sollen äußerst effizient geahndet werden.“ „Die Bekämpfung der Homophobie soll bei der Mittelzuweisung für das Jahr 2007 berücksichtigt werden.“ Der Prozess „soll strikt überwacht werden“ und dem Europäischen Parlament soll „jede Unterlassung eines Mitgliedstaats, diese Maßnahmen durchzuführen, gemeldet werden.“ Hier spricht der Geist des Totalitarismus.

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Widerstand

Bisher gibt es so gut wie keinen Widerstand. Die meisten Menschen kennen noch nicht einmal den Begriff „Gender“. Es ist eine lautlose Revolution die von oben nach unten und von innen nach außen arbeitet. Keine medialen Debatten, keine parlamentarischen Beschlüsse, sondern Veränderung der Nervenzentren gesellschaftlicher Wirklichkeit, insbesondere der Ausbildung von Studenten, Schülern und Kindern. Das ist einer der Gründe, warum die Bevölkerung zwar diffus Veränderungen wahrnimmt, aber nicht die Strategie erkennt. Wer damit in Berührung kommt, weil etwa die eigene Organisation „gendert“ wird, spürt sofort, dass Widerstand Sanktionen nach sich zieht.

Die Medien, die eigentlich in der Demokratie eine Wächter-Funktion haben sollten, sind überwiegend Wegbereiter und Vollstrecker dieser Revolution. Wegen Rufmord ist noch niemand ins Gefängnis gekommen. Wer mediales Mobbing betreibt, muss nicht fürchten, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, er muss es aber durchaus fürchten, wenn er der GLBT-Bewegung die Stirn bietet.

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Die Opfer der Gender-Ideologie

Ideologien fordern Opfer. Das letzte Jahrhundert hat gelehrt, dass der revolutionäre Versuch, einen „neuen Menschen“ zu schaffen, menschenvernichtende Diktaturen hervorbringt. Welche Opfer fordert die Gender-Ideologie?

Die Gender-Ideologie

  • kämpft gegen die Vernunft, weil sie die biologische, psychische, soziale Differenz von Mann und Frau leugnet.
  • kämpft gegen die Frau, weil sie das feministische, am Mann orientierte Frauenbild, durchsetzt und die Mutter materiell und ideell entwertet.  
  • kämpft gegen den Mann, weil sie Mädchen und Frauen systematisch bevorzugt und dem Mann Autorität und Einfluss nimmt, indem sie ihn verweiblicht.
  • kämpft gegen die Einheit von Mann und Frau in der Ehe und ihre notwendige Kooperation im Dienst der Zukunft.   
  • kämpft gegen das ungeborene Kind, weil sie die Abtreibung zum „Menschenrecht“ erklärt.
  • kämpft gegen das Kind, weil sie die Familie zerstört, den unersetzbaren Ort der Bildung gesunder Persönlichkeiten und der Weitergabe von Kultur und Glaube.
  • kämpft gegen die Familie, weil sie ihr ideologisch, sozial und materiell die Existenzbasis entzieht.
  • kämpft gegen das wissenschaftliche Ideal von Wahrheitspflicht und Rationalität, weil sie die Wissenschaft skrupellos ideologisiert und ihre Ressourcen zur Durchsetzung gesellschaftsverändernder Ziele missbraucht.
  • kämpft gegen den freiheitlichen Diskurs in Medien und Wissenschaft, indem sie abweichende Meinungen unterdrückt.
  • kämpft gegen die Demokratie, weil sie die Interessen einer kleinen Minderheit mit staatlicher Macht zum Mainstream macht.
  • kämpft gegen das Christentum, insbesondere die Katholische Kirche, weil diese in den internationalen Organisationen die einzige Bastion des Widerstandes ist.
  • kämpft gegen Gott und seine Schöpfungsordnung.

 
Ideologien dienen nicht dem Menschen, sondern wollen ihn neu schaffen, damit der Mensch den Interessen der Ideologen dient. Aber nur der Schöpfer des Menschen hat das Recht und die Fähigkeit, sein Geschöpf neu zu schaffen: Gott. Der Angriff geht an die Wurzel des Menschen. Auf der ersten Seite der Bibel heißt es. „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27) Gott hat uns als zweigeschlechtliche Menschen geschaffen, weil die Erfahrung der Ergänzungsbedürftigkeit uns dazu drängt, uns über das Eigene hinaus zum Anderen auszustrecken. Als Ebenbild des dreifaltigen Gottes sind wir zur Liebe berufen und finden nur liebend Frieden und Glück.

Abfall von Gott bewährt sich nicht, führt letztlich in die menschliche Katastrophe. In dieser befinden wir uns: Die biologische Dezimierung des Bestands der Bevölkerung um ein Drittel innerhalb von drei Jahrzehnten. Nirgendwo sehen wir auch nur einen Ansatz zur Lösung des Problems. Es gibt ihn nicht, weil die Ursachen tabuiert sind.

Wenn es kein Alptraum ist, aus dem wir erwachen können, sondern Realität, was bedeutet das für die Christen?

Der Kampf erscheint aussichtslos. Wenn Christen aber nicht kämpfen, sondern zulassen, dass Religion ins Private abgedrängt wird, wird es diesen privaten Raum bald nicht mehr geben. Die nächste Generation wird zum geschlechtsvariablen Gender-Menschen umgebildet, auch Ihre Kinder und Enkelkinder.

Der Feind kämpft an der Front der Sexualität. Die Christen müssen ihm dort begegnen, sonst haben sie verloren. Wenn die Jugend vom Kleinkindalter an in die moralische Verwahrlosung getrieben wird, werden wir die Abtreibung nicht überwinden und die menschliche Voraussetzung von Familie und Glauben zerstören. Wir brauchen eine Reinheitsbewegung der Jugend.   Weil Gender Mainstreaming „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe“ der globalen Politik ist, muss die christliche Sexualmoral wieder „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe“ der kirchlichen Jugendarbeit werden. Werden die Geistlichen Gemeinschaften in der Kraft Jesu den Weg bahnen und die Jugend dort abholen, wo die größte Not ist: im sexuellen Beziehungschaos? Werden sie die Notwendigkeit erkennen, das Thema Sexualität aus dem Privatraum der Gemeinschaft nach außen zu tragen und zum Ansatzpunkt der Evangelisation zu machen?

Johannes Paul der Große hat uns mit der Theologie des Leibes ein Schatzhaus der Erkenntnis hinterlassen. Heben wir den Schatz, damit die Wahrheit die Wirklichkeit verwandeln kann.  

Wann beginnt die Kirche das Terrain zurückzuerobern, das sie durch die Ablehnung der Enzyklika Humanae Vitae verloren hat? Den Anfang machte Kardinal Schönborn im Abendmahlssaal in Jerusalem im März 2008. Er sagte: „Europa hat in den letzten vierzig Jahren dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt. Das erste Mal im Jahr 1968…durch das Ablehnen von Humanae Vitae.  Das zweite Mal im Jahr 1975, als die Abtreibungsgesetze Europa überschwemmt haben. Und nun das dritte Mal mit der [Zustimmung zur] homosexuellen Ehe“. Das Nein zum Leben sei „auch eine Sünde von uns Bischöfen... Auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, so müssen wir diese Sünde des europäischen Episkopats bereuen, der nicht den Mut hatte, Paul VI. kraftvoll zu unterstützen… Wenn wir die Konsequenzen dieses ‚Nein‘ zum Leben gekannt hätten, hätten wir niemals ‚Nein‘ zu Humanae Vitae gesagt, hätten wir den Mut gehabt, unsere Brüder zu bestärken: ‚Habt Vertrauen, glaubt an das Leben!‘ “

Bischöfe, die so sprechen und entsprechend handeln, riskieren nicht ihr Leben. Sie riskieren mediales und innerkirchliches Mobbing. Sie würden ihre Herde vor den Wölfen schützen und der Kirche neues Leben einhauchen.

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