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Rede beim Jugendfestival in Medjugorje am 5. August 2009

Meine lieben Freunde!
Bitten wir die Gospa, die Braut des Heiligen Geistes, sie möge uns den Heiligen Geist erbitten, daß wir die Wahrheit erkennen und die Kraft bekommen, das zu tun, was wir als wahr erkannt haben. Im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Es ist ein außerordentlicher Moment in meinem Leben, daß ich hier zu Euch sprechen darf, zu 20.000 jungen Menschen aus 70 Nationen dieser Erde. Ich spreche heute hier zu euch, weil mir hier vor dreizehn Jahren durch die Gottesmutter Bekehrung geschenkt wurde. Medjugorje ist ein geheimnisvoller Brunnen der Gnade. Jeder, der den Weg in dieses abgelegene Dorf gefunden hat, wurde, so heißt es, von der Gospa gerufen. Auch ich. Auch du.

[Mein Zeugnis]
Vor dreizehn Jahren, an Allerheiligen 1996, war ich zum ersten Mal in Medjugorje.  Ich war damals sehr unglücklich. Meine Ehe war nach achtzehn Jahren zerbrochen. In strömendem Regen stieg ich allein auf den Kreuzberg. Ich verlor den Weg – was wirklich ein Kunststück ist. Ich hatte das Gefühl, für alle ist der Himmel offen, bloß nicht für mich. Damals war ich noch nicht katholisch, aber ich wußte schon, daß ich in wenigen Wochen in die Katholische Kirche aufgenommen werden würde.

Am nächsten Tag habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gebeichtet, dort drüben, im Freien auf den Bänken vor der Kirche. Ich legte mein ganzes Leben vor Gott. Dann sprach der Priester die großen Worte:  
Ego te absolvo. Ich spreche dich frei von deinen Sünden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Diese Worte sind mächtig, weil sie mit dem Blut Christi getränkt sind

Die Buße durfte ich mir selber aussuchen. Ich sagte, ich wollte am nächsten Morgen, dem Abreisetag meiner Gruppe,  noch einmal auf den Kreuzberg gehen. Diesmal fand ich den Weg im ersten Licht des neuen Tages. Ich fühlte mich leicht wie ein Vogel. Der Knoten meines Lebens war geplatzt, der Weg nach vorne, der Weg zu Gott war endlich offen.

Dies hat bei mir lange gedauert, mehr als ein halbes Jahrhundert. Mit acht Jahren wurde ich auf eigenen Wunsch evangelisch getauft. Ich kam damals weinend zu meiner Mutter und fragte sie: „Mutti, komm ich in den Himmel, wenn ich nicht getauft bin?“ Damals wollte ich den Himmel kommen und heute will ich das immer noch, zusammen mit jedem, der hier auf diesem Platz steht.

Der Glaube ging wieder verloren. Gott rutschte hinter den Horizont und ich rutschte in die Studentenbewegung von 1968. Die Stoßrichtung dieser Bewegung war: Kommunistische Ideologie, sexuelle Befreiung und Feminismus. Ein paar Jahre lang war ich Mitläuferin, bis ich nach Abschluß meines Soziologiestudiums und einjähriger Anstellung an der Universität per Anhalter auf Reisen ging. Da hatte Gott Erbarmen.

1973 schenkte mir Gott zwei Erlebnisse, durch die Er mir unmißverständlich klar machte: Es gibt mich! Ich bin dein Gott! – bei einem Sonnenuntergang und einer Klaviersonate von Beethoven. Ich war daraufhin ein halbes Jahr glücklich und dachte, das bleibt so. Es blieb aber nicht so. Gott schenkt uns oft eine Anfangsgnade, die uns wie ein Leuchtturm Orientierung gibt. Danach beginnt die Arbeit. Bei dieser Arbeit sind wir nicht mehr allein. Die Kirche schenkt uns alles, was wir auf diesem Weg brauchen.

Aber der Weg zur Kirche war für mich damals noch verstellt mit Vorurteilen, die Tag für Tag und immer schamloser wiederholt werden. Ihr wißt schon: Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Zölibat, Frauenpriestertum  und Kondome. Über zwanzig Jahre lang habe ich auf den Wegen des Zeitgeistes gesucht: in der Esoterik und Psychologie – Wege, auf denen man Gott nicht findet. Niemand hat in dieser langen Zeit zu mir gesagt: Komm, ich mache dich mit Jesus bekannt. Komm doch mal vors Allerheiligste.

1977 lernte ich meinen Mann kennen. Wir verliebten uns, zogen zusammen, bekamen ein Kind, heirateten standesamtlich, bekamen noch zwei Kinder…und trennten uns 18 Jahre später. Diese Reihenfolge ist heute üblich. Es ist die falsche Reihenfolge! Die Chancen auf eine glückliche Familie sinken. Heute weiß ich, was die richtige Reihenfolge ist: Verlieben, werben, kennenlernen, prüfen, verloben, tiefer prüfen, heiraten, zusammenziehen, Kinder bekommen. So steigen die Chancen auf eine Erfüllung unserer  Sehnsucht nach Liebe und Familie.

Als mein Mann am Neujahrstag 1996 ausgezogen war und ich mit meinen drei halbwüchsigen Kindern allein und tief traurig war, kam eine junge Nachbarin an meine Haustür und sagte: „Bete!“ Sie brachte mir eine Novene mit den großen Verheißungen Jesu Christi. Jedes Gebet endete mit dem Satz: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Am Ende dieser Novene wußte ich: Ich werde katholisch. Endlich, endlich tat sich die Kirchentür für mich auf.

Von da an veränderte sich mein Leben sehr schnell. Ich hatte zwanzig Jahre lang Bücher übersetzt. Jetzt bekam ich von einem großen Verlag den Auftrag, ein Buch über Marienerscheinungen zu schreiben. Meine erste Reise ging hierher nach Medjugorje und es geschah wirklich ein Wunder: Ich erlebte tiefe Herzensreue und wollte in meiner Ehe bleiben. Aber es war zu spät. Mein Mann hatte sich anders entschieden.

Das Buch mit dem Titel Mein Weg zu Maria wurde zum Tagebuch meiner Umkehr vom Zeitgeist zum Glauben. Viele Menschen sind durch das Buch diesen Weg mitgegangen: Vom vergeblichen Bemühen um Selbsterlösung hin zu Jesus Christus, dem einzigen Erlöser. Heute frage ich mich: Wie kann man leben, ohne an den auferstandenen Herrn zu glauben, der letztlich siegen wird und der schon jetzt in jedem von uns siegt, wenn wir ihm unser Herz in Freiheit schenken.

Das ist die Geschichte meiner Bekehrung. Viele von euch könnten ihre Geschichte erzählen, wie ihr zu Gott gefunden habt, Geschichten von dem  unerschöpflichen Einfallsreichtum Gottes, genau dir, in deinen Lebensumständen, deiner Lebensgeschichte, deinem Suchen und deiner Sehnsucht ein Zeichen Seiner Gegenwart zu geben, ein Zeichen dafür, daß Er dich kennt, daß Er dich liebt. Manchen geht es vielleicht noch wie mir vor dreizehn Jahren, als ich mich im dornigen Gestrüpp auf dem Kreuzberg verirrt hatte. Höre nicht auf zu suchen, denn wer sucht der findet.

Der Heilige Vater sagt: So viele Menschen es gibt, so viele Wege gibt es zu Gott. Wo immer wir stehen mögen, jeder kann sich auf das Wort Jesu verlassen: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ (Off 3,20)

Viele leben so, daß sie das Klopfen an der Tür unmöglich hören können. Wer ständig Stöpsel in den Ohren hat, seine Innenwelt mit Horror- und Sexbildern anfüllt, die man nicht mehr los wird, sich mit Alkohol oder Drogen dicht macht, oder gerade  mit einem Jungen oder einem Mädchen im Bett ist, das er von der Disko abgeschleppt hat, der überhört das Klopfen. Wer da nicht mitmacht, fühlt sich heute schon fast als Außenseiter.


[Von 1968 bis zur Gender-Mainstreaming]

Die Gesellschaft, in die ihr hineingeboren seid, bietet euch das alles als „ganz normal“ an. Sie macht es euch schwer, euch für das Gute zu entscheiden, und sie macht es euch leicht, dem Bösen auf den Leim zu gehen. Für diese Gesellschaft hat meine Generation Verantwortung, die sogenannten 68er. Ich möchte euch sagen, was passiert ist in den letzten vier Jahrzehnten, damit ihr versteht, in welcher Zeit ihr lebt, und auch anderen die Augen öffnen könnt.

1968 war das Jahr, in dem die Studenten in den westlichen Ländern auf die Straßen gingen, um mit der Spitzhacke linker sozialistischer Ideologie das christliche Wertefundament zu zertrümmern. Die Parolen lauteten:

Kampf der bürgerlichen Kleinfamilie
Make love not war
Mein Bauch gehört mir


Es war die Zeit, in der Simone de Beauvoir die Posaune für den radikalen Feminismus blies. Sie behauptete: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht.“ Sie hetzte die Frauen auf mit Parolen wie: „Raus aus der Sklaverei der Mutterschaft!“ Es war die Zeit der sogenannten sexuellen Befreiung. Was ist die Folge? Keineswegs Befreiung, sondern eine sexsüchtige Gesellschaft,  in der viele Menschen zum Sklaven ihres Sexualtriebes geworden sind und das als Freiheit ausgeben. Aber es ist keine Freiheit. Frei werden wir, wenn wir stark genug sind, das zu tun, was wir als wahr und gut erkennen.

Inzwischen ist die Entwicklung noch viel weiter gegangen. Sie tarnt sich mit dem Namen  Gender-Mainstreaming. Diese Ideologie will die Geschlechts-identiät von Mann und Frau auflösen. Sie behauptet, es gehöre zur Freiheit des Menschen, sein Geschlecht zu wählen, also willkürlich zu entscheiden, ob er Mann oder Frau sein will. Jede sexuelle Orientierung soll als gleichwertig gelten: ob hetero, homo, bi oder trans, ob also jemand Sex mit dem anderen Geschlecht hat, mit dem gleichen Geschlecht, mal mit dem einen oder dem anderen oder sogar sein Geschlecht wechselt. .

Die Begründung für diesen Wahnsinn? Die sogenannte Zwangsheterosexualität soll abgeschafft werden, weil sie angeblich das Patriarchat hervorbringe; soll heißen: Die sexuelle Anziehung zum anderen Geschlecht wird uns nur aufgezwungen, um auf diese Weise die Herrschaft des Mannes aufrecht zu erhalten.  Diese Ideologie wird mit der großen Macht und dem großen Geld der UN und der EU und nationaler Regierungen in gesellschaftliche Realität umgesetzt, von der Universität über alle Institutionen und Behörden, bis zu Schulen und Kindergärten. Wißt Ihr, was das bedeutet? Die Sünde wird zum Gesetz gemacht und in den Schulen gelehrt. Wer sich dagegen wehrt, wird zunehmend kriminalisiert mit neuen Strafrechtsparagraphen wie „Homophobie“ und Hassrede“.

Wenn euch das alles noch unbekannt ist, dann googelt den Begriff „gender-mainstreaming“. Ihr werdet staunen. Ich habe zwei kleine Bücher zu dem Thema geschrieben, um die Menschen aufzuwecken.

Was sind die Folgen dieses kulturellen und moralischen Umsturzes? Ich nenne drei:

1. Der Zusammenbruch der Familie
Das Zerbrechen der Familien erzeugt ein Meer von seelischer Not und riesige Kosten für die Sozialsysteme.  Den Kindern und Jugendlichen geht es schlecht. Die Statistiken schreien zum Himmel: Ungefähr 25 Prozent aller Kleinkinder und Jugendlichen haben psychische Störungen. Leistungsverfall in den Schulen, Ansteigen von Drogensucht, Alkoholmißbrauch, Pornographiesucht, Kriminalität, sexueller Mißbrauch, Frühschwangerschaften und Frühabtreibungen.

2.  Die massenhafte Tötung ungeborener Kinder, genannt Abtreibung oder Schwangerschaftsabbruch. Millionen Mütter und Väter entscheiden sich, das Kind zu töten, das auf dem Weg ins Leben ist. Würden sie noch ein paar Monate warten, käme ein Mensch zur Welt, ein Mensch wie du und ich, ein Baby, das ihnen mit seinem Lächeln grenzenloses Vertrauen schenken möchte.

3. Das Aussterben der Völker Europas. Die Generationen vor euch haben zwar das Leben empfangen, aber viele wollen selbst nicht Eltern werden. Immer mehr können es nicht, weil sie unfruchtbar sind. Jede neue Generation ist ein Drittel kleiner als die vorhergehende.

Das hat unabsehbare Folgen. Johannes Paul II. brachte es auf den Punkt: Wir leben in einer Kultur des Todes.

Diese Entwicklungen sieht jeder mit bloßem Auge, auch jeder Politiker, aber die Ursache darf nicht benannt werden. Die Ursache ist der Mißbrauch der Sexualität, die Entwürdigung der Sexualität zur bloßen Triebbefriedigung. Dazu muß sie von der Fruchtbarkeit getrennt und aus der Ehe, ihrem bergenden Gehäuse, herausgebrochen werden. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die Familie: Väter, Mütter und vor allem die Kinder.

Sexualität ist zu einem Konsumgut verkommen und zu einem mächtigen Götzen unserer Zeit geworden. Wenn der Mensch nicht mehr Gott als seinen Schöpfer ehrt und anbetet, betet er sein eigenes Ich an: seinen Intellekt, seine eigene Willkür und Macht, sein Haben- und Besitzen-Wollen und vor allem seinen Genuß, Sex an erster Stelle.

Dieser Kampf zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte. Schon der Prophet Elias hat unter Einsatz seines Lebens gegen die Baal-Priester gekämpft, weil sie einen falschen Gott angebetet und die Unzucht zum Ritual gemacht haben. Elias hat den Kampf gewonnen und wird uns auch heute helfen, den Kampf zu führen.  

Nicht erst Gott wird meine Generation fragen, wie wir mit unserer Verantwortung umgegangen sind;  auch eure Generation wird eines Tages fragen:

Warum habt ihr zugelassen, daß Gott immer mehr verdrängt wurde und das Böse immer mächtiger wurde und uns von klein auf verführt hat?  
Warum sind so viele Familien zerbrochen?
Warum habt ihr Millionen von unseren Geschwistern getötet, bevor sie geboren wurden?
Warum wart ihr nicht für uns da?
Warum habt ihr unsere Not nicht gesehen?


An dieser Stelle sei aber auch ein großer Dank ausgesprochen für alle Eltern, die sich dieser Entwicklung widersetzt haben und euch durch ihr Vorbild und ihre Opfer auf den Weg des Glaubens geführt haben.

[Geist der Unterscheidung]
In diese Welt seid ihr hineingeboren. Das was euch der Zeitgeist als Freiheit anbietet, beruht auf einer Lüge.
Die Lüge sagt: Du bist frei und darfst alles: Alle Arten von Sex zu jeder Zeit.
Die Lüge betrügt dich um die Erfüllung deiner Sehnsucht nach Liebe und Familie.
Die Lüge sagt: Sex ist safe. Sie verheimlicht dir die Schädigungen durch die Pille, die rasante Ausbreitung von AIDS und Geschlechtskrankheiten, die Zunahme von Frühschwangerschaften und Frühabtreibungen, das PAS, die körperlichen und seelischen Leiden von Frauen, die abgetrieben haben.
Die Lüge verdunkelt die Wahrheit über den Menschen, sie verdunkelt, wer du bist und wer du werden kannst.
Der Lügner liebt dich nicht und will nicht, daß du lieben lernst.
Der Lügner will vor allem eines nicht: Dein ewiges Heil.

Aber Gott will dein Heil, in diesem Leben und im nächsten.

Gott sagt etwas ganz anderes zum Menschen, zu mir und zu dir:
Ich bin die Liebe.
Ich liebe dich.
Ich habe dich zur Liebe berufen.
Ich habe dir Freiheit geschenkt, weil du ohne Freiheit nicht lieben kannst.
Ich habe dir Vernunft geschenkt, damit du von deiner Freiheit den rechten Gebrauch machen kannst.
Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. (Joh 14,15)
 
Ihr habt das Recht, die herrschenden Verhältnisse im Namen Eurer eigenen Zukunft in Frage zu stellen. In euren Händen liegt die Zukunft. Wollt Ihr dieses Chaos fortsetzen, oder wollt Ihr eine Kultur des Lebens aufbauen, in der ihr Familien gründet, die der Liebe wieder eine Heimat geben? In der ihr Kindern das Leben schenkt und Eure Liebe, so daß gesunde, frohe Menschen heranwachsen?

[Für die Liebe entscheiden]
Ich bin überzeugt, daß Ihr das wollt. Ich bin auch überzeugt, daß jeder Einzelne von Euch einen Beitrag dazu leisten kann mit einer klaren Lebensentscheidung für Gott, unseren Schöpfer, und die Wahrheit seiner Schöpfung.  Gott hat einen Plan für den Menschen, für jeden Einzelnen von uns. Er enthüllt ihn bereits auf der ersten Seite der Bibel. Dort heißt es: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie “ (Gen 1,27) und im zweiten Schöpfungsbericht heißt es: „Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch.“ (Gen 2,24) Schon am Anfang spricht die Bibel von der bleibenden Gemeinschaft von Mann und Frau in der Ehe und tut dies bis zur letzten Seite, bis zur Verheißung der himmlischen Hochzeit zwischen Christus und der Kirche. Im Licht dieser Wahrheit lautet also der Auftrag an euch: Lebt keusch und rein!

Sind das altmodische Worte, die ausgedient haben?  Wir wollen zwar reine Luft und reine Lebensmittel und reine Kleidung – aber ein reines Herz? Ist das nicht das Allerwichtigste? (Das jedenfalls glauben junge Iren, die hier unter uns sind und ihre Bewegung Pure in Heart genannt haben.) Und wie ist es mit der Tugend der Keuschheit? Schnee von gestern? Nein, keineswegs. Wißt ihr, was Keuschheit heißt: Die Einheit von Leib und Seele in der Sexualität, die Einheit von körperlicher Vereinigung und ehelicher Bindung. Denn: Jede Berührung des Körpers ist eine Berührung der Seele. Keuschheit heißt, sich dessen bewußt zu sein – vor der Ehe und in der Ehe. Wenn wir diese Einheit zerreißen, verletzen wir unsere Seele. Wir machen uns und andere unglücklich.

Die sexuelle Vereinigung ist die intimste Begegnung, die es zwischen Menschen gibt. Die Bibel verwendet dafür das Wort erkennen. Mann und Frau erkennen sich in ihrem tiefsten Wesen. Darum bindet Sexualität, ob das gewollt ist oder nicht. Die beiden werden ein Fleisch. Welche Entwürdigung, wenn es kein Akt der Liebe ist, sondern einer den anderen benutzt zur Triebbefriedigung. Aber welcher Himmel tut sich auf, wenn es ein Akt der Liebe und Hingabe ist, ein Akt von solcher Größe, daß ein neuer Mensch daraus entstehen kann, dem Gott eine ewige Seele verleiht.

Sexualität ist eine wunderbare Kraft, die Gott dem Menschen anvertraut hat, um gemeinsam mit ihm einen neuen Menschen zu schaffen. Gott will, daß der Mensch die Erde bevölkert. Deswegen sehnen sich Mann und Frau nacheinander und erleben die körperliche Vereinigung als überaus lustvoll. Aber nicht nur der Körper sehnt sich nach Lust, das Herz sehnt sich nach Liebe.

Echte Liebe sagt: Du und nur du und du für immer. Wenn Mann und Frau auf diese doppelte Sehnsucht mit der Ehe antworten, dann ist der Raum geschaffen, in der ihre Liebe fruchtbar werden kann und im Kind, einem neuen Menschen, Gestalt annimmt.

Wir sehen also: Der tiefere Sinn des Ein-Fleisch-Werdens sind Ehe und Familie, die lebenslange Gemeinschaft von Mann und Frau. Gott will in diesem Ein-Fleisch-werden wohnen. Gott ist nicht prüde. Er will uns nicht vorenthalten, was er uns geschenkt hat: die ekstatische Erfahrung sexueller Lust. Gott will, daß die Lust geheiligt wird. Das geschieht durch das Sakrament der Ehe.

Papst Johannes Paul II. hat die Theologie des Leibes gelehrt.  Er zeigt, was die Ebenbildlichkeit Gottes für Mann und Frau bedeutet, wie sich die vollkommene Liebeseinheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist abbildet in der geschlechtlichen Vereinigung von Mann und Frau und dem daraus hervorgehenden Kind.

Deshalb, so sagt Benedikt XVI. in seiner Enzyklika Deus Caritas est, bedarf der Eros der Läuterung. Um zur Hingabe in der Ehe fähig zu werden, müssen wir uns befreien aus der Ichsucht. Das lernt niemand durch egoistischen Konsum von Sex, sondern durch Warten, durch Reifen und durch Verzicht.

Deswegen wartet mit der körperlichen Hingabe, bis sich eure Herzen hingegeben und gebunden haben und ihr vor Gott und den Menschen ein großes Ja gesprochen habt. Schon in der Zeit des Wartens,  der  Persönlichkeitsreifung, der Vorbereitung werdet ihr ein Licht sein, das auf dem Schemel steht. Zunächst seid ihr mit diesem Lebensstil vielleicht Außenseiter, aber ihr werdet zu Personen, die Maßstäbe setzen für eure Freunde, eure Geschwister, eure Familien. Ja, ihr verzichtet darauf, euch im Voraus zu nehmen, was erst in der Ehe zu wirklichem Glück wird. Dieser Verzicht ist eine Investition in eure Zukunft. Ihr verzichtet auf das Kleine, um das Große zu erlangen. So schafft ihr leuchtende Inseln einer Kultur der Liebe und des Lebens

[Wo stehst du?]

Vielleicht spürst du jetzt die Sehnsucht in dir, den Höhenweg der Liebe zu gehen, aber auch Furcht, daß er zu schwer sein könnte, oder Abwehr. Je nach dem, wie du lebst, wirst du ganz unterschiedliche Gefühle in dir haben:

  • Ein tiefes Ja und freudige Zuversicht
  • Diffuse Abwehr oder
  • Ablehnung: Das war einmal. Das ist unmöglich. Die Zeiten haben sich geändert.

Und wo stehst du tatsächlich in deinem Leben? Schauen wir drei Situationen der Unverheirateten näher an:

1. Wenn du noch Jungfrau bist
, hast du noch alle Möglichkeiten offen, sei es, daß du als Single lebst oder in einer Freundschaft. Auch wenn die Sprache ein weibliches Wort benutzt und die Jungfräulichkeit der Frau auf ganz besondere Weise geschützt ist, gilt das ebenso für Männer. Du mußt nicht umkehren, sondern nur achtsam weitergehen. Eines Tages kannst du zu einem Menschen sagen: Ich habe auf dich gewartet.  Das weiße Kleid am Traualtar wird wahr sein, und die Verheißung des Propheten Jesaia wird sich erfüllen: Wie der Bräutigam sich freut an seiner Braut, so freut sich dein Gott an dir. (Jes 62,5)

Ihr, die ihr eure Jungfräulichkeit noch bewahrt habt, die ihr manchmal unsicher seid, ob ihr eigentlich auf dem richtigen Weg seid: Ja, ihr seid auf dem richtigen Weg. Es lohnt sich zu warten!  Alle, die falsche Wege gegangen sind, wären glücklich, in eurer Lage zu sein. Ihr tragt ein kostbares Geschenk in zerbrechlichen Gefäßen.

2. Vielleicht lebst ihr in einer Liebesbeziehung wie ein Ehepaar, aber ihr scheut euch vor dem Ja, aus welchen Gründen auch immer.  Ihr müßt verhüten. Johannes Paul sagt dazu. Die Sprache des Körpers lügt. Der Körper gibt sich hin, aber die Fruchtbarkeit des Körpers wird abgelehnt und unterbunden. Käme doch ein Kind, würdet ihr Eltern, obwohl ihr noch nicht dazu bereit seid. Sogar die Versuchung zur Abtreibung würde am Horizont auftauchen. Ist es nicht schade, über viele Jahre das Kind zu fürchten, anstatt ganz Ja zueinander zu sagen und sich auf das Kind als Frucht eurer Liebe zu freuen?

In dieser Situation habt  ihr drei Möglichkeiten:
1. Ihr beendet die sexuelle Beziehung, um dann eine klare Entscheidung treffen zu können.
2. Die Beziehung geht an ihrer inneren Unwahrhaftigkeit in die Brüche.
3. Ihr schlittert aus dieser Beziehung in die Ehe. Das kann gut gehen, aber oft geht es nicht gut: Untersuchungen zeigen, daß die Stabilität der Ehe von Partnern, die schon vorher zusammen gelebt haben, noch deutlich schlechter ist als im Durchschnitt.

Ich rate euch: Beendet die sexuelle Beziehung, selbst dann, wenn ihr euch liebt, ja gerade deswegen, weil ihr euch liebt; schenkt euch neu die Freiheit und klärt miteinander und mit Gott, ob ihr für einander bestimmt seid.

3. Vielleicht hast du eine oder mehrere Liebesbeziehungen hinter dir und bist jetzt allein. Du hattest all diese Beziehungen, weil du so bedürftig bist nach menschlicher Nähe und Bestätigung, hattest immer wieder die Hoffnung, der Nächste, die Nächste, könnte der oder die Richtige sein. Aber nützt sich der Satz: „Ich liebe dich“ nicht allmählich ab?  Welchen Einfluß haben die wiederholten Enttäuschungen und Neuanfänge auf deine Fähigkeit, dich zu binden?

Was immer du an Verletzungen und Schuld mitschleppst: Du bist frei. Du kannst neu anfangen. Ganz wichtig ist, daß Du Dir Zeit nimmst – und die bemißt sich nicht in Monaten, sondern in Jahren – , um dein Herz zu reinigen und zu festigen und zu bilden, Freundschaft zu lernen, dich selbst in Besitz zu nehmen, um dich eines Tages einem anderen Menschen wirklich schenken zu können. Um dafür die Kraft zu bekommen, könntest du an keinem besseren Ort sein als hier in Medjugorje.

[Die gute Nachricht]
Die  gute Nachricht ist: Wo immer du stehen magst in deinem Leben: Du kannst umkehren. Du kannst deine Reinheit wiedergewinnen. Wir haben einen barmherzigen Gott, der sich mehr freut über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte. Hier sind vierhundert Priester, die von Gott die Vollmacht haben, zu dir zu sagen: „Ich spreche dich frei von deinen Sünden.“ Die Gospa, die Sündenlose, die ganz Reine, erscheint hier über so lange Zeit, um uns die Gnade der  Bekehrung zu schenken. Dann wird in deinem Leben wahr, was der Prophet Ezekiel verkündet: Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und all euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Es kann auch sein, daß Gott dich ruft, den Weg des zölibatären, geweihten Lebens zu gehen. Wie dankbar müssen wir den Ordensleuten und den Priestern sein, daß sie auf den Ruf Gottes mit opferbereiter Großherzigkeit antworten. Sie leben schon jetzt als Braut und Bräutigam Jesu Christi, wie wir das alle einst im Himmel tun werden.

Vertraut euch Gott im Gebet an. Er hat uns zur Liebe berufen, und wird uns auch die Gnade schenken, diesen Weg im Bund mit Ihm gehen zu können. Jeder von euch, der sich mutig zu diesem Weg entschließt, tut dies nicht nur für sich, sondern für alle, die mit ihm in Berührung kommen.

Ich bin zutiefst dankbar, daß ich in die Gemeinschaft der Katholischen Kirche gefunden habe, weil uns die Sakramente der Eucharistie und der Beichte immer den Zugang zur Gnade und die Möglichkeit der Umkehr schenken. Die Kirche ist wirklich eine Mutter, die uns gibt, was wir brauchen.

Wir müssen nicht heilig sein, um für Gott zu arbeiten, aber wir müssen nach Heiligkeit streben. Gott braucht jeden, der hier steht, um Seine Botschaft weiterzutragen zu all denen, die „im Finstern sitzen und im Schatten des Todes“, insbesondere zu euren Altersgenossen. Viele haben nie gehört und erfahren, daß es den Weg der Liebe wirklich gibt.

Du bist frei, dich für das Gute zu entscheiden, hier und jetzt. Yes, you can! Das ist keine Erfindung von Obama, sondern ein Geschenk Gottes. Denn: DIE WAHRHEIT WIRD DICH FREI MACHEN. Seid zuversichtlich! Habt Mut!

Ich wünsche jedem Einzelnen von Euch, daß ihr mit Freude im Herzen den Weg der Liebe geht. Wir gehen diesen Weg nicht allein. Die Gospa wartet nur darauf, daß wir ihre Hand ergreifen. Möge ihr Segen uns alle begleiten.
Ich danke euch.

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